Veröffentlicht am 16. April 2021
Jens Silva Santisteban

Gastbeitrag: Ein neues eCommerce Projekt – Was kann da schon schiefgehen?


Von Jens Silva Santisteban, Senior Projektleiter für Professional Services, OXID eSales AG

„Wir wissen genau, was wir wollen und haben eine klare Vorstellung davon. Wir haben alles genau durchdacht, die wichtigen Punkte spezifiziert und benötigen für den Go-Live jeden einzelnen davon.“

In der Theorie erscheinen solche Aussagen zu Beginn eines Projektes durchaus plausibel. Die individuellen Features sind aufgelistet und beschrieben, die Ziele definiert und nun soll das Produkt in einem Projekt genau nach dieser Vorgabe umgesetzt werden.

Die Entwicklung des Produktes beginnt und nach mehreren Monaten wird im besten Fall genau das spezifizierte Produkt in genau der prognostizierten Zeit umgesetzt. Soweit erst mal ein Erfolg. Doch plötzlich bemerkt man, dass die Vorstellung des Produkts in der Praxis von den Kunden nicht angenommen wird.

Vielleicht ist es nicht benutzerfreundlich oder das Produkt passt in dieser Form überhaupt nicht mehr zu den aktuellen Marktanforderungen. Nach einer sehr langen Entwicklungszeit mit sehr viel Mühe und Kosten, ist solch ein Resultat für alle Beteiligten immer besonders enttäuschend.

Mit dem „Warum“ beginnen

Warum also ging der Live-Gang beziehungsweise das Release schief? Was sind die Ursachen, wo man zuvor doch akribisch alle Punkte aufgelistet hatte?

Die Antwort ist meist auf den Grund eines solchen Unterfangens zurückzuführen. Wofür entwickelt man solch ein Produkt? Natürlich, insgesamt ist Profit in den meisten Fällen das Endziel. Aber vielmehr sollte der Gedanke sein, dass man Kunden erreichen möchte. Man will ihnen ein herausragendes Produkt zur Verfügung stellen, das ihre Wünsche bestmöglich bedient. Der Erfolg in Form von Profit folgt dadurch direkt als Nebenprodukt. Folglich muss man in erster Linie wissen, was genau die Kunden wollen.

Erfahrungen wiegen mehr als Vermutungen

Genau das – den Kundenwunsch – gilt es herauszufinden. Oftmals kann man das zu Beginn nicht so detailliert wissen. Man kann sich diverser Instrumente bedienen, Buyer Personas etablieren, Customer Journeys modellieren oder die Kunden persönlich befragen. Das ist ein langer Weg, auf den man sich begeben und einlassen muss.

Doch viele Händler, die zur Maximierung ihrer Reichweite nun zum ersten Mal einen Online-Shop betreiben wollen, haben nun mal noch keine Erfahrung damit. Somit gilt es zunächst herauszufinden was sich ihr spezifisches Kundensegment überhaupt wünscht.

Hinzu kommt, dass ein Online-Shop – genau wie viele andere entwickelte Produkte – oftmals gleich zu Beginn überladen wird. Das kostet viel Zeit und Geld, bringt aber am Ende eventuell nur wenig Nutzen. Im eCommerce ist man dann erfolgreich, wenn man den Endkunden erreichen und ihm bei seinen Online-Käufen das bestmögliche Shopping-Erlebnis bieten kann. Man sollte folglich möglichst schnell herausfinden, was gewünscht ist und was nicht.

Der MVP-Ansatz sorgt für Speed

Um genau dieses frühe Feedback, das so essenziell für den Markterfolg ist, zu erhalten, eignet sich der MVP-Ansatz hervorragend. MVP steht für „Minimum Viable Product“. Auf Deutsch könnte man das als „das kleinste brauchbare Produkt“ umschreiben. Es enthält die minimale Funktionalität, um seinen Zweck zu erfüllen. Die Idee ist es, Aspekte wie den bedeutendsten Zielmarkt, die wichtigsten Funktionen und die größten Unsicherheiten zu ermitteln und das MVP fokussiert darauf auszurichten. Anschließend beobachtet und analysiert man, wie es von den Kunden angenommen wird.

Einblick in den MVP-Ansatz im eCommerce

Dieser MVP-Ansatz minimiert viele Risiken drastisch. Es gibt kaum einen besseren Zeitpunkt, als eine weltweite Pandemie zum Anlass zu nehmen, hier schnell und mit relativ geringem Aufwand die aktuelle Situation am Markt auszutesten. Der technische Roll-out eines solchen Projekts lässt sich gerade durch Cloud-Technologie sehr schnell gestalten. Insbesondere bei PaaS-Modellen (Platform-as-a-Service) wird die gesamte IT-Infrastruktur bereits vom Hersteller angeboten. Das verkürzt Projektlaufzeiten und vermeidet zeitintensive Installationen. In wenigen Klicks kann eine Entwicklungsumgebung stehen und man kann mit dem MVP sofort loslegen.

Ein MVP ermöglicht also frühzeitiges Kunden-Feedback. Basierend auf diesem lässt sich die strategische Richtung agil an den tatsächlichen Markt anpassen. Zum anderen ist man hierdurch in der Lage, schneller den Markt zu bedienen und sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Wichtig für den Erfolg eines solchen Projektes ist allerdings die richtige Strategie bei der Umsetzung des MVPs.

Wenn Sie darüber mehr erfahren möchten, empfehle ich Ihnen die Lektüre unseres Whitepapers „Digitalisieren mit der Cloud“.

 

 

Über den Autor

Jens Silva Santisteban ist Senior Projektleiter für Professional Services bei der OXID eSales AG. Nach seinem Studium der Informatik mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz begann er seine Karriere als Softwareentwickler für Automatisierungssensoren bei der SICK AG in Waldkirch, bevor er dort in die Projektleitung wechselte. Nachdem er bei der SICK AG maßgeblich an der Entwicklung diverser 3D-Vision-Sensoren und deren Applikationen beteiligt war, leitet er nun strategische und internationale Kundenprojekte im E-Commerce.





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