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Consideration-Phase

Begriff, Einordnung und Relevanz im E-Commerce

Die Consideration-Phase beschreibt den Abschnitt der Customer Journey, in dem potenzielle Käufer aktiv Optionen prüfen, vergleichen und Entscheidungskriterien gewichten. Im E-Commerce ist die Consideration-Phase der produktive Kern des Mid-Funnels: Sie verbindet Awareness mit Conversion, indem sie Aufmerksamkeit in substanzielle Kaufabsicht transformiert. Wer hier die relevanten Signale der Nachfrage erkennt und punktgenau bedient, reduziert Streuverluste, steigert die Effizienz von Marketingbudgets und erhöht die Conversion-Wahrscheinlichkeit über alle Kanäle hinweg. Strategisch betrachtet geht es darum, Informationsbedürfnisse zu antizipieren, Barrieren abzubauen, Vertrauen aufzubauen und differenzierte Nutzenargumente gegenüber Wettbewerbsalternativen sichtbar zu machen.

Während die Awareness-Phase Reichweite und Erstkontakt liefert, entscheidet die Consideration-Phase über die Qualität und Tiefe des Engagements. Händler, die diese Phase systematisch gestalten, verbessern nicht nur die Performance einzelner Kampagnen, sondern auch die gesamte Profitabilität des Online-Shops, weil sie mehr qualifizierte Sessions, wiederkehrende Besuche und Micro-Conversions generieren, aus denen messbar mehr Käufe resultieren.

Rolle in der Customer Journey und typische Informationsbedürfnisse

In der Consideration-Phase verfeinert der Nutzer seine Suchintention von generischen zu kommerziell-intent-behafteten Suchbegriffen, konsultiert Produktdetailseiten, Vergleichs- und Kategorieseiten, liest Bewertungen und sucht nach Social Proof. Entscheidungsfaktoren wie Preis-Leistung, Lieferzeiten, Retourenbedingungen, Garantie, Kompatibilität, Nachhaltigkeit oder TCO spielen je nach Segment eine zentrale Rolle. Im B2C treffen häufig emotionale und rationale Argumente zusammen, im B2B dominieren Use-Cases, Integrationsfähigkeit, Compliance und ROI-Nachweise. Entscheidend ist, dass Inhalte, UX und Botschaften entlang dieser Kriterien kuratiert werden und Reibungspunkte im Evaluationsprozess minimiert sind.

Ziele und KPIs für Mid-Funnel-Exzellenz

Die wichtigsten Ziele der Consideration-Phase sind die Erhöhung qualifizierter Sitzungen auf PLPs und PDPs, steigende Engagement-Metriken wie Verweildauer, Scrolltiefe und Interaktionen mit Vergleichs- oder Merkfunktionen sowie die Zunahme von Micro-Conversions wie Newsletter-Signups, Produktvergleichen, Wunschlisten, Sample- oder Demo-Anfragen. Neben direkten Conversions sind Assisted Conversions, Share-of-Search, Category-View-Through-Rate oder Wiederkehreranteil aussagekräftig. Operationalisiert wird das über Zielhierarchien, in denen weiche Signale klar mit nachgelagerten Umsätzen verknüpft und in Budgetentscheidungen rückgekoppelt werden.

Daten, Tracking und Audience-Building

Ohne saubere Datengrundlage entfaltet die Consideration-Phase ihr Potenzial nur eingeschränkt. Nötig sind konsistente Event-Taxonomien für Interaktionen wie Filterklicks, Facettensuche, Größenwahl, Produktvergleiche, FAQ-Aufrufe und Trust-Elemente. First-Party-Data-Strategien mit sauberem Consent-Management ermöglichen hochwertige Remarketing- und Lookalike-Zielgruppen. UTM-Disziplin, Session-Stitching über Geräte hinweg sowie die Kombination aus Klick- und View-basierten Modellen geben ein realistischeres Bild der Beitragseffekte. Ergänzend helfen Geo-Experimente, Holdout-Tests und MMM, den inkrementellen Wert von Mid-Funnel-Maßnahmen sichtbar zu machen.

Content-Strategien: von Problemlösung zu Produktauswahl

Inhalte, die konkrete Kaufentscheidungen erleichtern, prägen die Consideration-Phase maßgeblich. Buying Guides, Vergleichsseiten, Anwendungsfall-Landingpages, Checklisten und Entscheidungsbäume unterstützen die Bedürfnisklärung. Produktdetailseiten profitieren von modularen Inhaltsblöcken, die Spezifikationen, Nutzenargumente, Kompatibilitäten sowie Vor- und Nachteile transparent machen. Bewertungsinhalte, UGC, Kurzvideos und detaillierte Bilderwelten bieten Tiefe und verringern Unsicherheit. SEO-seitig dominieren informative und kommerziell-intent Keywords, strukturierte Daten (Product, FAQ, HowTo) erhöhen die Sichtbarkeit in den SERPs. Klare Value Propositions, präzise Messaging-Architekturen und konsistente Tonalität sichern Wiedererkennbarkeit über Kanäle.

Paid Media im Mid-Funnel wirkungsvoll orchestrieren

Suchmaschinenwerbung auf generischen und vergleichsorientierten Begriffen, dynamische Suchanzeigen, Shopping-Kampagnen mit hochwertigem Feed sowie Broad-Match plus Audience-Signalen adressieren evaluierende Nutzer. In Paid Social performen Creator-Reviews, Vergleichs-Creatives, Demo-Videos und Karussells gut, wenn sie echte Nutzenszenarien zeigen und Einwände vorwegnehmen. Programmatic und YouTube erschließen Reichweite in in-market und kontextuellen Umfeldern; Sequencing lenkt Nutzer von Problembewusstsein zu Produktpräferenz. Frequenz- und Sättigungssteuerung, Exklusion kürzlich konvertierter Käufer und wertbasierte Gebotsstrategien sichern Effizienz. Messbar wird der Beitrag über Assisted Conversions, View-Through-Analysen und inkrementelle Lift-Studien.

Owned Channels, CRM und Onsite-Personalisierung

Eigene Kanäle tragen die Consideration-Phase mit kontrollierbarer Präzision. E-Mail- und Marketing-Automation-Flows zu Browse-Abandonment, Preisalarme, Back-in-Stock und Wunschlisten-Reminder beschleunigen die Entscheidung. Web-Personalisierung auf Basis von Kategorieinteresse, Preissensitivität oder Markenaffinität erhöht Relevanz, ohne aufdringlich zu sein. Onsite-Suche mit fehlertoleranter Logik, Synonymmanagement und facettierter Navigation verkürzt den Weg zum passenden Produkt. Empfehlungslogiken für Alternativen, Cross-Sells und Bundles helfen bei der Auswahl, sofern sie nachvollziehbar und nicht ablenkend sind. Live-Chat, Beratungsangebote oder virtuelle Termine können insbesondere in beratungsintensiven Kategorien den Unterschied machen.

UX, Vertrauen und Risikoreduktion

Die User Experience ist in der Consideration-Phase ein Vertrauensmultiplikator. Schnelle Ladezeiten und starke Core Web Vitals, klare Navigationsstrukturen, stabile Filter, persistente Vergleiche und ein visuell ruhiges Design erhöhen die kognitive Leichtigkeit. Transparente Informationen zu Lieferzeiten, Retouren, Garantien, Ersatzteilverfügbarkeit, Kompatibilitäten und Nachhaltigkeitsaspekten reduzieren wahrgenommenes Risiko. Trust Badges, geprüfte Bewertungen, Social Proof und nachvollziehbare Preisdarstellung stützen die Glaubwürdigkeit. Mobile-first-Darstellung, Barrierefreiheit und eine verständliche Mikrocopy auf CTAs, Tooltips und Fehlerstates verhindern Abbrüche in kritischen Momenten der Bewertung.

B2B-spezifische Anforderungen und Prozesse

Im B2B umfasst die Consideration-Phase häufig mehrere Stakeholder, längere Zyklen und strengere Compliance-Kriterien. Entscheidend sind technische Datenblätter, Integrationshinweise, Zertifizierungen, TCO- und ROI-Kalkulatoren sowie Referenz- und Case-Studys für Branchen und Use-Cases. Account-Based-Marketing verbindet personalisierte Inhalte mit Buying-Group-Signalen. Lead Scoring priorisiert Interaktionen wie Konfigurator-Nutzung, Whitepaper-Downloads oder Demo-Anfragen, bevor die Übergabe an Sales erfolgt. Ein sauberer Feedback-Loop zwischen SDRs, Marketing und Produktteam erhöht die Relevanz der Inhalte und schärft die Differenzierung in Wettbewerbsvergleichen.

Messung, Experimente und Attribution

Zur Leistungsbewertung der Consideration-Phase braucht es ein Zusammenspiel aus Kohortenanalysen, Time-Lag-Reports, Pfadanalysen und Inkrementalitätsmessung. A/B- und multivariate Tests auf PDP- und PLP-Ebene prüfen die Wirkung von Inhaltsblöcken, Vergleichstabellen, Trust-Elementen, Empfehlungen, Preis- und Lieferanzeigen. Holdout-Gruppen in CRM- und Paid-Kanälen zeigen den zusätzlichen Effekt von Sequenzen und Creatives. Multi-Touch-Attribution erläutert Beitragspfade, während MMM Budgetobergrenzen und Kanalelastizitäten aufdeckt. Einheitliche Definitionen von Micro-Conversions und eine zentrale Metrik-Taxonomie verhindern Reporting-Divergenzen und beschleunigen Budgetentscheidungen.

Operative Hebel und praxistaugliche Tipps

Wer die Consideration-Phase operativ stärken will, beginnt mit einer präzisen Abbildung der Entscheidungslogik aus Kundensicht. Wettbewerbsvergleiche, Einwandkataloge und kategorienbezogene Kaufkriterien fließen in Templates für PDPs, Vergleichsseiten und Buying Guides. Eine klare Value Proposition je Kategorie, flankiert von USPs, die tatsächlich differenzieren, hält die Argumentation fokussiert. Auf Shop-Ebene sind Such- und Filterlogiken, facettierte Navigation, interne Verlinkung und kanonsaubere Kategoriestrukturen zentrale Stellschrauben für Orientierung und SEO. Für Retail Media und Shopping-Kanäle zahlt ein fehlerfreier, reichhaltiger Produktfeed inklusive Attribute, GTIN, Varianten, Verfügbarkeit und Versandprofil auf die Sichtbarkeit ein. Promotion-Mechaniken sollten Entscheidungsreife belohnen, etwa durch Bundle-Rabatte, kostenlose Upgrades oder verlängerte Rückgabefristen in saisonalen Peaks. Kundenseitige Objekte wie Merklisten und Vergleiche sollten persistieren und kanalübergreifend verfügbar sein, sodass Nutzer ihren Evaluationsprozess nahtlos fortsetzen können. Eine Content-Governance mit Review-Zyklen, die Bewertungen, UGC und Q&A kuratiert, sorgt dafür, dass neue Einwände zeitnah adressiert werden. Trainings für Service und Chat-Teams, inklusive Kurzantworten zu typischen Barrieren wie Passform, Kompatibilität, Installationsaufwand oder Total Cost of Ownership, schließen operative Lücken zwischen Marketingversprechen und Kaufentscheidung.

Entscheidend ist die interne Verzahnung: Brand- und Performance-Teams sollten Briefings, KPI-Ziele und Messkonventionen teilen, damit kreative Konzepte und mediale Aussteuerung auf die gleichen Evaluationskriterien einzahlen. Product und Engineering priorisieren UX-Tickets, die nachweislich Micro-Conversions erhöhen. Finance baut gemeinsam mit Marketing ein Modell, das Assisted- und View-Through-Effekte für Budgetallokationen berücksichtigt. So entsteht ein System, in dem die Consideration-Phase nicht als Durchgangsstation, sondern als eigenständiger Werttreiber begriffen und kontinuierlich optimiert wird.