Multishop-Lösungen

Wie sinnvoll sind Multishop-Lösungen?

Viele Shopbetreiber nutzen Multishop-Lösungen in der Hoffnung auf höheren Umsatz und Risikominderung. Gleichzeitig mehrere Shops zu führen bedeutet für Sie natürlich mehr zeitlichen und finanziellen Aufwand, trotzdem gibt es einige prominente Beispiele für diese Marketingstrategie. Tatsächlich gibt es sowohl Faktoren, die für eine Multishop-Lösung sprechen, als auch ein paar berechtigte Einwände. Ob sich der Aufwand mehrere Shops parallel zu führen wirklich lohnt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Beispiele aus dem eCommerce

  1. Die Otto-Gruppe machte in letzter Zeit auf sich aufmerksam, weil immer neue Untershops erstellt werden, so wurde im Jahr 2015 mit Privileg.de der sechste aus dem Boden gestampft. Die Multichannel-Strategie von Otto scheint aufzugehen, über das Kalenderjahr 2014 ließen Sprecher der Otto-Gruppe vermelden, dass 70 Mio. Nettto-Jahresumsatz mit den bis dato fünf Subshops erzielt wurden.
  2. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen die Marketer darauf setzen, die ehemalige Multichannel-Lösung, wieder zu einer Einchannel-Lösung zu machen, so wurden jüngst beim Versandhaus Ernst Müller die Shops Babybutt.de und Kinderbutt.de eingestellt, unter den Internetadressen der ehemaligen Subshops landet der Nutzer nun wieder auf der Homepage vom Versandhaus Ernst Müller.

Was sind die Vorteile einer Multishop-Lösung?

  • Wenn Sie unterschiedliche Zielgruppen erreichen möchten, kann es sich lohnen auf mehrere Shops zu setzen. Denn mit getrennten Shops kann die Ansprache direkter gehalten werden. Es ist also leichter eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen und zu überzeugen.
  • Spezialisierte Shops sind besonders dann sinnvoll, wenn Sie in einem Shop hochpreisige Produkte anbieten und in einem anderen Waren aus den unteren Preisklassen.
  • Ein anderer Grund, der für die Multishop-Lösung spricht ist die Risikoverminderung: Bei einer möglichen Abstrafung von Google können Sie auf Ihre anderen Shops zurückgreifen und stehen nicht komplett ohne Ranking da. Die Idee dahinter ist also, Umsatzeinbüßen abzumildern und das Risiko auf mehrere Shops zu verteilen.
  • Viele Shopbetreiber reizt die Möglichkeiten global zu handeln, denn Multichannel-Lösungen bieten eine Oberfläche an, mit der sie jederzeit die Möglichkeit haben Ihren Stamm-Markt im Ausland erweitern zu können. Produktinformationen und Textbausteine werden automatisch übersetzt und Steuer- und Versandberechnungen angepasst. Und das alles in Eigenregie – ohne, dass Sie Entwickler oder eine Agentur bezahlen müssen, die das System für das neue Land einrichten.

Was sind die Risiken?

  • Wer sich entscheidet mehrere Shops zu betreiben, der benötigt auch ein entsprechend höheres Budget. In der Realität sieht es deswegen meistens so aus, dass es nur wenige Shopbetreiber schaffen, die unterschiedlichen Shops gleichberechtigt zu führen. Die meisten besitzen deswegen einen Hauptshop, der oft mehr als 90% der Gewinne erzielt. Das Argument der Risikostreuung verliert dadurch deutlich an Gewicht, denn sollte dieser Shop von einer Google-Abstrafung betroffen sein, fällt trotz Multishop-Lösung der Großteil der Einnahmen weg.
  • Sollten Sie Änderungen in Design, AGBs oder Shopsystem beschließen, ist der Aufwand groß. Denn diese müssen Sie umgehend bei allen Shops umsetzen. Das wiederrum erfordert meist die Hilfe von programmierenden Agenturen.
  • Eine Gefahr beim Multishop-System ist Duplicated Content, denn dieser könnte Ihr Google-Ranking negativ beeinflussen. Wenn mehrfach die gleichen Kategorie- und Produkttexte im Internet kursieren, konkurrieren die Shops im Ranking miteinander und stehlen sich gegenseitig gute Positionen. Es ist also am sinnvollsten, alle Kategorietexte und Produktbeschreibungen zu individualisieren, dafür muss aber ebenfalls wieder ein gewisser finanzieller Aufwand einkalkuliert werden.
  • Oftmals nicht bedacht wird auch der Risikofaktor Komplexität. Denn zum einen bringt es Vorteile mit sich, wenn Sie mehrere Shops über eine Zentrale verwalten können, zum anderen bedeutet das aber auch, dass ein Fehler im Shopsystem viel verheerendere Folgen hat und bei einer Lösung über ein Multishop-System eben nicht nur einen, sondern alle Shops zum Erliegen bringt.

Fazit

Die Frage, ob Multishop-Lösungen sinnvoll sind oder nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für Erfolg im eCommerce ist es entscheidend, eine eigene Marke zu erschaffen und deren Alleinstellungsmerkmal immer weiter auszubauen. Starke Marken werden im Suchmaschinenranking bevorzugt und bringen durch eine gute Corporate Identity mehr Traffic. Einen Subshop aufzubauen bringt also meistens nur dann echte Vorteile, wenn eine völlig andere Zielgruppe angesprochen wird und sich die angebotenen Produkte ganz klar differenzieren lassen. Eine zweite Domain macht außerdem Sinn, wenn die bisherige Zielgruppe kein weiteres Wachstum mehr hergibt. Davon abgesehen sind trotz aller Risiken die Vorteile einer gemeinsamen Plattform für verschiedene Länder und Sprachen überzeugend. Dafür sollte die Steuerung der verschiedenen Shops aber sehr zentralisiert funktionieren und eine homogene Organisationsstruktur vorherrschen.

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